Jahresbericht 2020

Im GeschÀftsjahr 2020/2021 hat es in der personellen Zusammensetzung des Bundes-Zucht- und Anerkennungsausschusses (BZA)keine weitere VerÀnderung gegeben.

Bedingt durch die Corona-Pandemie mussten alle Bundes- und Fachverbandsschauen abgesagt werden. Somit entfĂ€llt in diesem Jahr auch fĂŒr die Aussteller von NeuzĂŒchtungen eine geplante Teilnahme mit ihren Tieren am Anerkennungsverfahren. Der Bundes Zucht- und Anerkennungsausschuss informiert daher, dass fĂŒr alle bereits laufenden Verfahren, im kommenden Jahr keine neuen AntrĂ€ge zu stellen sind. Des Weiteren wird AAB § XIII. Absatz 1.h) bei Nichtbeginn oder Vorstellungsunterbrechung des Vorstellungsverfahren fĂŒr ein Jahr ausgesetzt.

Die Basis fĂŒr die Arbeit des BZA, sowie den Aufgabenbereich desselben, bilden die AAB XIII. 1-4 und die im Satzungsordner abgedruckte GeschĂ€ftsordnung des BZA.

Neue Rassen und FarbenschlĂ€ge aus dem Ausland werden weiterhin in nicht unerheblichem Umfang von den ZĂŒchtern importiert, die diese in ihren HeimatlĂ€ndern kennen gelernt haben und diese dann im Rahmen eines Anerkennungsverfahren in Deutschland vorstellen. Eine automatische Anerkennung wird es auch in Zukunft nicht geben, wie dies von manchen ZĂŒchtern schon mal ins GesprĂ€ch gebracht worden ist. UnabhĂ€ngig davon werden aber weiterhin in nicht unerheblichem Umfang AntrĂ€ge auf Anerkennung von Rassen oder neuen FarbenschlĂ€gen gestellt, ohne dass dafĂŒr in Deutschland eine ausreichende Zuchtbasis besteht. Ein Vergleich mit den in den einzelnen Standards aufgefĂŒhrten FarbenschlĂ€gen zeigt, dass viele FarbenschlĂ€ge und Rassen nach der Anerkennung nur ein MauerblĂŒmchendasein fristen.

Auf der Basis der unterschiedlichen EuropÀischen Standards entstehen mit Zustimmung der Standardkommissionen der EE weiterhin EuropÀische Standardwerke, die als Europastandard vereinheitlicht werden und deren Inhalt dann verbindlich in den einzelnen LÀndern in der Heimatsprache gedruckte Standards sind. Gewisse Unterschiede in der Auslegung der Standards wird es aber in Zukunft geben, da in einzelnen LÀndern der Typ einer Rasse im Vordergrund steht, wobei dann Farbe und Zeichnung eine untergeordnete Rolle spielen, auf diese in Deutschland auch weiterhin besonderer Wert gelegt wird.

Eine Anerkennung ist in erster Linie von der DurchzĂŒchtung und QualitĂ€t der Tiere abhĂ€ngig. Sie erfolgt bei neuen Rassen oder bei FarbenschlĂ€gen, Zeichnungsarten oder spezifischen Merkmalen, die noch bei keiner standardisierten Rasse vorhanden sind, unabhĂ€ngig von der Dauer des Vorstellungsverfahrens.

Spezifische Rassemerkmale können nach eingehender, fachlichen PrĂŒfungen im Ermessen des BZA gleichzeitig mit der NeuzĂŒchtung eines Farbenschlags oder Scheckungs- bzw. Zeichnungsmusters ohne Vorstellungsverfahren anerkannt werden, wenn diese bei den anerkannten FarbenschlĂ€gen oder Scheckungs- bzw. Zeichnungsmuster der gleichen Rasse bereits anerkannt sind.

Vereinzelt wurden auch Rassen oder FarbenschlĂ€ge aus dem Anerkennungsverfahren gestrichen, damit dem ZĂŒchter frĂŒhzeitig klar wird, dass auch in Zukunft die von ihm angestrebte Anerkennung nicht realistisch ist. Auch die Tendenz, im Ausland anerkannte Rassen und Farben auch in Deutschland zur Anerkennung zu bringen, ohne dass dafĂŒr in Deutschland eine ausreichende Zuchtbasis besteht, muss weiterhin kritisch hinterfragt werden.

Wie immer soll auch hier auf die Bedeutung der Sichtungsklasse verwiesen werden, die es dem ZĂŒchter ermöglicht, mit einer geringeren Tierzahl den Zuchtstand seiner neuen Rasse / Farbenschlag zu prĂ€sentieren. Bei Beachtung der Hinweise des BZA in der Fachpresse wird dann deutlich gemacht, ob das angestrebte Zuchtziel schon erreicht ist oder ob es noch sinnvoll erscheint, durch weitere Zuchtarbeit den Zuchtstand zu verbessern. Alttiere gehören nicht in die Sichtungsklasse!

Die Sichtungsklasse bewĂ€hrt sich auch bei der PrĂ€sentation von unbekannten auslĂ€ndischen Rassen, da hier erstmals geprĂŒft werden kann, ob eine eventuelle spĂ€tere Anerkennung nicht zu Verwechslungen mit bereits in Deutschland anerkannten Rassen oder FarbenschlĂ€gen fĂŒhren kann. Auch VerstĂ¶ĂŸe gegen tierschutzrelevante Entartungen können dabei frĂŒhzeitig erkannt werden, die auf alle FĂ€lle eine Anerkennung einer auslĂ€ndischen Rasse in Deutschland unmöglich machen wĂŒrden.

Rassen und FarbenschlĂ€ge können fĂŒr das Vorstellungsverfahren nur ĂŒbernommen werden, wenn zuvor termingerecht ein entsprechender Antrag beim BZA gestellt wurde. Alle anderen Rassen und FarbenschlĂ€ge gelangen nur in das Sichtungsverfahren, wobei die Bestimmungen der AAB hinsichtlich der zu prĂ€sentierenden Tierzahlen zu beachten sind.

Handschwingenzahl bei Rassetauben

Die Thematik "Handschwingenzahl bei Rassetauben" hat in der Vergangenheit nicht selten zu Verwirrung unter den ZĂŒchtern, den Preisrichtern und in den Sondervereinen gefĂŒhrt, da keine grundlegende Zuordnung  fĂŒr die Rassen erfolgt ist.

Der BZA-Zuchtausschuss Sparte Tauben und der Zuchtausschuss des VDT haben allen Sondervereinen mit einem endsprechenden Anschreiben die Möglichkeit gegeben sich zu dieser Thematik zu Ă€ußern.  Nach Auswertung  der Antwortschreiben und PrĂŒfung der  Ă„nderungsantrĂ€ge, wird der BZA-Sparte Tauben, nach der Spartensitzung  2021, die  betreffenden Rassen benennen. Diese werden dann, im Rassen- und FarbenschlĂ€ge-Verzeichnis des Satzungsordner des BDRG (Kapitel 11) gekennzeichnet. Bei den betreffenden Rassen wird nach dem Rassenamen die abweichende Handschwingen Anzahl (9/9) bzw. (11/11) eingefĂŒgt.

10/10 Handschwingen bleiben auch weiterhin das angestrebte zĂŒchterische Ziel.

Bei der PrĂ€sentation von Volieren und StĂ€mmen sollte in Zukunft die MindestgrĂ¶ĂŸen fĂŒr die betreffenden Rassen in der AAB vorgeschrieben werden. Es wird auf Ausstellungen die PrĂ€sentationen oft in zu kleinen KĂ€figen und Volieren prĂ€sentiert. Bei den Stammschauen und Volieren muss den Tieren mehr Platz geboten werden.  Es ist auch eine Sitzstange anzubieten. Auch die Vorstellung von TaubenstĂ€mmen in einem KĂ€fig sollte neu ĂŒberdacht werden, da hier doch nachweislich die Gefahr von Verletzungen der Taubenpaare besteht. Die Thematik wird mit Standard- und Satzungskommission behandelt.

AOC-Klasse

Das Ausstellen bzw. die Meldung von Tieren in der AOC-Klasse ist in der AAB eindeutig geregelt und von Ausstellern, Preisrichter und den Ausstellungsleitungen einzuhalten!  Dies wurde in den letzten Ausstellungsperioden nicht immer, wie dort vorgegeben, ausgefĂŒhrt.

Eine AOC-Klasse kann bei allen Rassen, außer ZiergeflĂŒgel, auf der Nationalen Bundessiegerschau, der Lipsia-Schau, der Deutschen JunggeflĂŒgelschau, den Fachverbandsschauen und auf Hauptsonderschauen, Sonderschauen und Gruppensonderschauen hinter der jeweiligen Rasse angeschlossen werden. In dieser Klasse dĂŒrfen Tiere mit in dieser Rasse nicht standardisierten FarbenschlĂ€gen oder Merkmalen ausgestellt werden, sofern diese bei anderen Rassen zugelassen sind.  Die Bewertung erfolgt durch die bei dieser Rasse eingesetzten Preisrichter, wobei besonderer Wert auf die rassetypischen Merkmale zu legen ist.

In der AOC-Klasse werden teils FarbenschlĂ€ge gezeigt und hoch bewertet, die entweder keinem anerkannten Farbenschlag einer anderen Rasse zugeordnet werden können oder die Tiere werden nicht adĂ€quat zu zeitgleich in der Abteilung NeuzĂŒchtungen gezeigten Tieren beurteilt. Vermehrt kommt es zu Fehlurteilen in der AOC-Klasse. In Leipzig wurden Tiere durchbewertet, obwohl die Rasse noch gar nicht anerkannt wurde und auch der Farbenschlag bei keiner anderen Rasse anerkannt ist.

Ausgeschlossen ist das Ausstellen von Tieren in der AOC-Klasse, die vom Rassestandard abweichende Zeichnungen, Zeichnungs- oder Scheckungsmuster aufweisen. Diese gelten als Fehlfarben und sind mit „n.a.“ zu bewerten. Bei der Meldung von Tieren fĂŒr die AOC-Klasse ist die Rasse mit der Bezeichnung „AOC“ und dem in Anspruch genommenen Farbenschlag zu versehen. Tiere in der AOC-Klasse erhalten anteilig Preise, jedoch keine Bundespreise. FĂŒr sie ist das volle Standgeld zu zahlen.

Der BZA bittet daher in Zukunft die Vorgaben in der AAB umzusetzen!

Bedanken möchte ich mich bei den Kollegen des BZA und den Spartenvorsitzenden Uli Freiberger (GeflĂŒgel)  und Ronald Bube (Tauben) sowie den Mitarbeiter der einzelnen Sparten, welche mir bei meinen Aufgaben die notwendige UnterstĂŒtzung entgegengebracht haben, damit  die doch sehr zahlreichen Anfragen aus der ZĂŒchterwelt zeitnah beschieden werden konnten.

Die Fachpresse ist dankenswerterweise auf alle TerminwĂŒnsche eingegangen und hat alle Bekanntmachungen des BZA termingerecht veröffentlicht. Viele Informationen finden sich auch auf den Webseiten des BDRG

Diskussionen mit dem PrĂ€sidium wurden in reger und sachlicher Weise gefĂŒhrt, wobei ich diesem Gremium, an ihrer Spitze PrĂ€sident Christoph GĂŒnzel fĂŒr die gute und verstĂ€ndnisvolle Zusammenarbeit danken möchte.

Heinrich Wenzel

Vorsitzender des BZA

Nidderau, im MĂ€rz 2021