Jahresbericht 2012

Im abgelaufenen GeschĂ€ftsjahr hat es in der personellen Zusammensetzung des Bundes-Zucht- und Anerkennungsausschusses (BZA) des BDRG erste Änderungen gegeben, wie bereits im Jahresbericht 2011 angedeutet. Michael Freiherr von LĂŒttwitz und Laurenz Osthöver sind aus dem Gremium ausgeschieden. Neu berufen wurde anlĂ€ĂŸlich der letzten Bundesversammlung Willi Diekmann als Obmann fĂŒr die Sparte ZiergeflĂŒgel.AnlĂ€sslich der PrĂ€sidiumssitzung im August 2012 wurde Ulrich Freiberger zunĂ€chst kommissarisch in die Sparte GeflĂŒgel berufen. Er steht dieses Jahr zur definitiven Berufung an.

Ausgeschieden als Beisitzer fĂŒr Tierschutzfragen ist auch der bisherige Beauftragte fĂŒr Tier- und Artenschutz des BDRG Prof. Dr. Joachim Schille mit Aufgabe seines Amtes, der durch seinen Nachfolger Dr. Michael Götz als Beisitzer fĂŒr den BZA ersetzt wurde.
Alle berufenen Mitglieder des BZA standen fĂŒr die Bewertung von NeuzĂŒchtungen ( Sichtungs- und Vorstellungsverfahren ) auf den dafĂŒr vorgesehenen Bundesschauen (Dt. JunggeflĂŒgelschau in Hannover, gemeinsame Verbandsschauen des VHGW und des VZV in Ulm, Europaschau mit angeschlossener Bundesssiegerschau in Leipzig sowie der Deutschen Rassetaubenschau in NĂŒrnberg ) zur VerfĂŒgung.
Auch im kommenden Jahr werden mehrere BZA-Mitglieder aus AltersgrĂŒnden aus diesem Gremium ausscheiden, sodaß die BZA-Sparten bereits jetzt mit Zustimmung des PrĂ€sidiums zu ihren Sitzungen jĂŒngere Preisrichter einladen, um diese in den Aufgabenbereich des BZA einzufĂŒhren.
Die Basis fĂŒr die Arbeit des BZA, sowie den Aufgabenbereich desselben bilden die AAB und die im Satzungsordner abgedruckte GeschĂ€ftsordnung des BZA. Hier ist auch die neue Regelung fĂŒr die Berufung von BZA-Mitgliedern aufgefĂŒhrt, die jeweils zunĂ€chst nur fĂŒr 5 Jahre berufen werden sollen. Eine erneute Berufung nach Ablauf dieser Zeitspanne möglich ist, um die Erfahrungen der Ă€lteren Mitglieder des BZA ĂŒber eine lĂ€ngere Zeit zu erhalten.

In der abgelaufenen Ausstellungssaison konnten erfreulicherweise alle Großschauen durchgefĂŒhrt werden, wobei nur die Europaschau in Leipzig etwas aus dem Rahmen fiel durch die geforderte tierĂ€rztliche kurzfristige Bescheinigung ĂŒber den Gesundheitsbestand des Herkunftsbestandes der Ausstellungstiere.

Bei dieser Gelegenheit wurde in einem Kleinbestand in Nordhessen bei einem Einzeltier eine Infektion mit einem niedrig pathogenen Influenzavirus festgestellt. Das hatte zwar zur Folge, dass der betreffende ZĂŒchter nicht in Leipzig ausstellen und sein Bestand getötet wurde. Aber alle im Umkreis zunĂ€chst gesperrten Betriebe erwiesen sich im Nachherein als frei von diesem Virus und sind inzwischen wieder freigegeben. Auch das Friedrich-Löffler-Institut auf der Insel Riems als tierseuchenrechtlich verantwortliche Stelle fĂŒr Deutschland hat diesem durch örtlich zustĂ€ndige Stelle angeordnetem Verfahren zugestimmt, wobei allerdings ĂŒber den Ursprung der Infektion nur Vermutungen angestellt werden können. Bei allen anderen Großschauen genĂŒgte die Einlasskontrolle der Tiere unter Vorlage der geforderten Impfbescheinigung. Am Ende der Ausstellungssaison kann somit festgestellt werden, dass das Ausstellungswesen in Deutschland wieder ein erfolgreiches Jahr absolviert hat.

Die Großschauen waren im letzten Jahr mehr ĂŒber das gesamte Bundesgebiet verteilt, wobei natĂŒrlich, ausgehend von der Gesamttierzahl, die Europaschau in Leipzig die Spitze bildete. Aber auch NĂŒrnberg (VDT-Schau) und Ulm  (VHGW-Verbandsschau zusammen mit der Deutschen Zwerghuhnschau ) bildeten Höhepunkte. Dazu kam die Dt. JunggeflĂŒgelschau in Hannover, die leider eine wesentliche geringere Tierzahl im Vergleich zu den Vorjahren aufwies. Bedauert wurde der oft geringe Zeitabstand zwischen den einzelnen Bundesschauen, der einerseits fĂŒr die ZĂŒchter kleinerer BestĂ€nde gewisse Probleme mit sich brachte, aber vor allem die Mitglieder des BZA zu weiten Reisen innerhalb kurzer Zeit zwang, um den ihnen in der GeschĂ€ftsordnung des BZA auferlegten Pflichten gerecht zu werden.

Termingerecht konnten die ErgĂ€nzungsblĂ€tter fĂŒr den RassegeflĂŒgelstandard fĂŒr Europa verschickt werden. Diese können auch weiterhin bei den Versandstellen der Organisation bezogen werden. Zum wiederholten Male muss darauf hingewiesen werden, dass fĂŒr die Bewertung von Rasse- und ZiergeflĂŒgel ausschließlich der aktuelle Standard zugrunde zu legen ist. Damit ist Pflicht fĂŒr alle Preisrichter, regelmĂ€ĂŸig die ErgĂ€nzungsblĂ€tter zu beziehen umd auch einzuordnen.

Neue Rassen und FarbenschlĂ€ge aus dem Ausland werden weiterhin in nicht unerheblichem Umfang von den ZĂŒchtern importiert, die diese in ihren HeimatlĂ€ndern kennen gelernt haben, und diese dann im Rahmen eines Anerkennungsverfahren in Deutschland vorstellen. Eine automatische Anerkennung wird es auch in Zukunft nicht geben, wie von manchen ZĂŒchtern schon mal ins GesprĂ€ch gebracht worden ist. UnabhĂ€ngig davon werden aber weiterhin in nicht unerheblichem Umfang AntrĂ€ge auf Anerkennung von Rassen oder neuen FarbenschlĂ€gen gestellt, ohne dass dafĂŒr in Deutschland eine ausreichende Zuchtbasis besteht. Ein Vergleich mit den in den  einzelnen Standards aufgefĂŒhrten FarbenschlĂ€gen zeigt, dass viele FarbenschlĂ€ge und Rassen nach der Anerkennung nur ein MauerblĂŒmchendasein fristen.

Auf der Basis der unterschiedlichen EuropĂ€ischen Standards entstehen mit Zustimmung der Standardkommissionen der EE zwischenzeitlich EuropĂ€ische Standardwerke, die als Europastandard vereinheitlicht sind und deren Inhalt dann auch verbindlich fĂŒr die in den einzelnen LĂ€ndern in der Heimatsprache gedruckten Standards sind. Gewisse Unterschiede in der Auslegung der Standards wird es aber auch in Zukunft geben, da in einzelnen LĂ€ndern der Typ einer Rasse im Vordegrund steht, wobei dann Farbe und Zeichnumng nur eine untergeordnete Rolle spielen, auf die aber in Deutschland besonderer Wert gelegt wird. Auch die AusprĂ€gumg der Kopfpunkte wird oft unterschiedlich beurteilt, wie gerade in der abgelaufenen Saison wieder auf der Europaschau festgestellt werden konnte. Grund hierfĂŒr ist oft eine unterschiedliche Auslegung tierschutzrechtlicher Anforderungen.

Eine Schulungstagung der EE fĂŒr GeflĂŒgel und Tauben fand im September 2012 in Deutschland statt, wobei die bekannten SchulungsrĂ€ume von Haus DĂŒsse in Westfalen ein gutes Umfeld boten. Dankend soll an dieser Stelle die UnterstĂŒtzung durch die PV Westfalen-Lippe und den Rassetaubenverein Unser Stolz in Unna erwĂ€hnt werden.

Rassebezogene Ausstellungen wurden von den Sparten der EE im abgelaufenen Jahr mit RĂŒcksicht auf die allgemeine Europaschau in Leipzig nicht genehmigt.

Eine gemeinsame Sitzung des BZA wurde im letzten Jahr anlĂ€sslich Bundesversammlung in Schneverdingen durchgefĂŒhrt, an der auch potentielle Kandidaten fĂŒr eine zukĂŒnftige Mitgliedschaft im BZA teilgenommen haben.

ZusĂ€tzliche spartenbezogene Sitzungen fanden anlĂ€ĂŸlich der JunggeflĂŒgelschau in Hannover, der gemeinsamen Verbandschau in Ulm, der Europaschau in Leipzig sowie der Deutschen Rasssetaubenschau in NĂŒrnberg statt, wobei auf Grund der Bewertungsergebnisse bei den NeuzĂŒchtungen StandardergĂ€nzungen beschlossen wurden, die noch im Januar in der Fachpresse veröffentlicht worden sind. Hierzu zĂ€hlen natĂŒrlich auch Entscheidungen, ob eine „NeuzĂŒchtung“ noch ein weiteres Jahr in dieser Abteilung bleiben muss. Vereinzelt wurden auch Rassen oder FarbenschlĂ€ge aus dem Anerkennungsverfahren gestrichen, damit dem ZĂŒchter frĂŒhzeitig klar wird, dass auch in Zukunft die von ihm angestrebte Anerkennung  nicht realistisch ist.

Die gefassten BeschlĂŒsse werden zugleich den europĂ€ischen Standard-kommissionen ĂŒbermittelt, sodass diese fĂŒr ihre nĂ€chsten Sitzungen ĂŒber den aktuellen Stand der Anerkennung neuer Rassen oder FarbenschlĂ€ge in Deutschland informiert sind. Außerdem wird der Druck der ErgĂ€nzungsblĂ€tter fĂŒr die Standardwerke frĂŒhzeitig vorbereitet, damit diese termingerecht bei den Preisrichtern und interessierten ZĂŒchtern zur VerfĂŒgung stehen.

In der Abteilung „NeuzĂŒchtung zur Sichtung/Anerkennung“ wurden insgesamt 631 Tiere gemeldet, dass sind ca. 85% der im Jahr 2011 gemeldeten Tierzahlen. Dabei haben vor allem die Zahlen bei den Tauben abgenommen. Eine Übersicht ergibt 24 GĂ€nse (3 Rassen, 3 FarbenschlĂ€ge ), 46 Enten (4 Rassen, 7 FarbenschlĂ€ge), 126 HĂŒhner (17 Rassen, 22 FarbenschlĂ€ge ), 230 ZwerghĂŒhner (29 Rassen, 37 FarbenschlĂ€ge), 205 Tauben (15 Rassen, 43 FarbenschlĂ€ge). Es fehlten alllerdings einige Rassen und FarbenschlĂ€ge, die bereits die Zulassung des BZA zum Vorstellungsverfahren haben.

Wie immer soll auch hier auf die Bedeutung der Sichtungsklasse verwiesen werden, die es dem ZĂŒchter ermöglicht, mit einer geringeren Tierzahl den Zuchtstand seiner neuen Rasse / Farbenschlag zu prĂ€sentieren. Bei Beachtung der Hinweise des BZA in der Fachpresse wird dann deutlich gemacht, ob das angestrebte Zuchtziel schon erreicht ist, oder ob es noch sinnvoll erscheint, durch weitere Zuchtarbeit den Zuchtstand zu verbessern. Alttiere gehören nicht in die Sichtungsklasse!

Die Sichtungsklasse bewĂ€hrt sich auch bei der PrĂ€sentation von unbekannten auslĂ€ndischen Rassen, da hier erstmal geprĂŒft werden kann, ob eine eventuelle spĂ€tere Anerkennung nicht zu Verwechslungen mit bereits in Deutschland anerkannten Rassen oder FarbenschlĂ€gen fĂŒhren kann. Auch Verstösse gegen tierschutzrelevante Entartungen können dabei frĂŒhzeitig erkannt werden, die auf alle FĂ€lle eine Anerkennung einer auslĂ€ndischen Rasse in Deutschland unmöglich machen wĂŒrden.

Rassen und FarbenschlĂ€ge können fĂŒr das Vorstellungsverfahren nur ĂŒbernommen werden, wenn zuvor termingerecht (1. Februar des laufenden Jahres) ein entsprechender Antrag beim BZA gestellt wurde. Alle anderen Rassen und FarbenschlĂ€ge gelangen nur in das Sichtungverfahren, wobei die Bestimmungen der AAB hinsichtlich der zu prĂ€sentierenden Tierzahlen zu beachten sind. Allerdings gibt es hier keinen Schlusstermin.

Bedanken möchte ich mich bei den Kollegen des BZA, die mir meine Anfragen termingerecht beantwortet haben, damit alle Anfragen aus der ZĂŒchterwelt zeitnah beschieden werden konnten. Dabei ist mir und meinen Kollegen des BZA das Internet eine wertvolle Hilfe. Es wĂŒrde den Schriftverkehr erleichtern, wenn bei allen Anfragen von ZĂŒchtern bzw. den Sondervereinen neben der Emailadresse auch eine vorhandene Fax-Nummer angeben wĂŒrde.

Die Fachpresse ist dankenswerterweise auf alle TerminwĂŒnsche eingegangen, und hat alle Bekanntmachungen des BZA termingerecht veröffentlicht. Viele Informationen finden sich auch auf den Webseiten des BDRG und der EE.

Diskussionen mit dem PrĂ€sidium wurden in reger und sachlicher Weise gefĂŒhrt, wobei ich diesem Gremium, an ihrer Spitze PrĂ€sident Riebniger sowie dem bis zur Bundesversammlung in Schneverdingen amtierenden 1. VizeprĂ€sidenten GĂŒnter Wesch, der die offziellen Kontakte zum BZA pflegt, fĂŒr die gute und verstĂ€ndnisvolle Zusammenarbeit danken möchte. Diese Aufgabe hat inzwischen der neue 1. VizeprĂ€sident Christoph GĂŒnzel ĂŒbernommen.

In diesen Dank möchte ich die GeschĂ€ftsstelle des BDRG einschließen, die fĂŒr mich entfernungsmĂ€ĂŸig leicht zu erreichen ist.

 

Dr. Werner LĂŒthgen