Jahresbericht 2011

Im abgelaufenen Gesch├Ąftsjahr hat es in der personellen Zusammensetzung des Bundes-Zucht- und Anerkennungsausschusses (BZA) keine Ver├Ąnderungen ergeben. Alle berufenen Mitglieder dieses Gremium standen f├╝r die Bewertung von Neuz├╝chtungen (Sichtungs- und Vorstellungsverfahren ) auf den daf├╝r zugelassenen Bundesschauen (Deutsche Zwerghuhnschau in M├╝nster, Deutsche Junggefl├╝gelschau in Hannover, Lipsia-Schau mit Deutscher Taubenschau in Leipzig sowie Bundessiegerschau in Dortmund) zur Verf├╝gung.

Allerdings werden im Verlauf der kommenden Jahre mehrere BZA-Mitglieder aus Altersgr├╝nden aus diesem Gremium ausscheiden, sodass die BZA-Sparten bereits jetzt mit Zustimmung des Pr├Ąsidium zu ihren Sitzungen j├╝ngere Preisrichter einladen, um diese in den Aufgabenbereich des BZA einzuf├╝hren.

Die Basis f├╝r die Arbeit des BZA, aber auch den Aufgabenbereich desselben bilden die AAB und die im Satzungsordner abgedruckte Gesch├Ąftsordnung des BZA. Aktuell steht jetzt die Frage im Raum, ob nicht auch f├╝r den BZA die f├╝r das Pr├Ąsidium geltende Altersbegrenzung gem. ┬ž 18 der Satzung des BDRG eingef├╝hrt werden soll. Dar├╝ber wird aber erst die Bundesversammlung in Schneverdingen entscheiden.

In der abgelaufenen Ausstellungssaison konnten erfreulicherweise alle Gro├čschauen durchgef├╝hrt werden, wobei nur die Lipsia etwas aus dem Rahmen fiel mit der kurzfristig geforderten tier├Ąrztlichen Bescheinigung ├╝ber den Gesundheitszustand des Bestandes, aus dem die Ausstellungstiere stammten. Bei allen anderen Gro├čschauen gen├╝gte die Einlasskontrolle der Tiere unter Vorlage der geforderten Impfbescheinigung.

Wie bereits in den vergangenen Jahren festgestellt wurde, setzt sich der Trend fort, dass Gro├čschauen vornehmlich in den neuen Bundesl├Ąndern durchgef├╝hrt werden, wobei die Lipsia durch die Verbindung mit der Deutschen Taubenschau die mit Abstand gr├Â├čte Tierzahl aufwies. Das war auch deutlich an der Beteiligung zur Bundessiegerschau in Dortmund zu erkennen, wo kaum Gefl├╝gel aus den neuen Bundesl├Ąndern gezeigt wurde. Dabei mag nat├╝rlich auch die enge Zeitspanne zwischen den einzelnen Ausstellungen eine Rolle spielen. Die Mitglieder des BZA sind aber gezwungen, auf allen anerkannten Bundesschauen pr├Ąsent zu sein, zumal vielfach noch Sitzungen einzelner Sparten angesetzt werden, um m├Âglichst fr├╝h die Aussteller von Neuz├╝chtungen ├╝ber das Ergebnis ihrer Bem├╝hungen zu unterrichten. Au├čerdem geh├Ârt es nat├╝rlich zu den Aufgaben des BZA und seiner Mitglieder, ├╝ber die Einhaltung und Beachtung der Standards zu wachen. Hierzu steht auch eine Checkliste zur Verf├╝gung, wo die Rassen und ihre m├Âglichen Fehler aufgef├╝hrt sind, die einer besonderen Beachtung bed├╝rfen. Im Einzelfall werden die zust├Ąndigen SV vom BZA angeschrieben und auf die Beachtung der g├╝ltigen Standards hingewiesen.

Termingerecht konnten die Erg├Ąnzungsbl├Ątter f├╝r den Deutschen Rassetauben-Standard verschickt werden. Diese k├Ânnen weiterhin bei den Versandstellen der Organisation bezogen werden, wobei eindeutig darauf hingewiesen werden soll, dass f├╝r die Bewertung von Rasse- und Ziergefl├╝gel ausschlie├člich die aktuellen Standards zugrunde zu legen sind.

Neue Rassen und Farbenschl├Ąge aus dem Ausland werden weiterhin in nicht unerheblichen Umfang von den Z├╝chtern importiert und in Deutschland im Anerkennungsverfahren vorgestellt. Die Anerkennung erfolgt nach Vorstellung in Zusammenarbeit mit den Herkunftsl├Ąndern, wobei ein reger Gedankenaustausch mit den Standardkommissionen dieser L├Ąnder sichergestellt ist, nicht zuletzt durch die gemeinsame Arbeit in den Standardkommissionen der EE. Dies trifft allerdings nur f├╝r die europ├Ąischen L├Ąnder zu, soweit diese der EE angeh├Âren. Vor allem bei  Taubenrassen, deren Heimatland die USA sind, gehen Europa und die USA oft eigene Wege.

Auf der Basis der unterschiedlichen europ├Ąischen Standards entstehen mit Zustimmungen der Standardkommissionen der EE zwischenzeitlich Europ├Ąische Standardwerke die als Europastandard vereinheitlicht sind, und deren Inhalt dann auch verbindlich f├╝r die weiterhin in den einzelnen L├Ąndern in der Heimatsprache gedruckten Standards sind. Unterschiedlich ist noch die Qualit├Ąt der einzelnen Standardbilder, wobei gegenw├Ąrtig die in den deutschen Standards verwendeten Bilder als vorbildlich gelten, die nach und nach auch in den ausl├Ąndischen Standards Verwendung finden.

Eine Schulungstagung der EE f├╝r Gefl├╝gel und Tauben wurde im September 2010 in der Tschechischen Republik durchgef├╝hrt, bei der vor allem tschechische Rassen ausf├╝hrlich vorgestellt wurden. Dort wurde auch eine Brosch├╝re mit den tschechischen Taubenrassen verteilt, wobei etliche dieser Rassen auch in Deutschland bekannt sind, allerdings unter deutschen Namen und mit kleinen Abweichungen im Aussehen. Aus unterschiedlichen Gr├╝nden war allerdings die Beteiligung deutscher Preisrichter nicht so hoch wie in den Vorjahren. In Vorbereitung der 27. Europaschau im Dezember 2012 in Leipzig findet die gemeinsame Schulungstagung der Gefl├╝gel- und Taubensparten Anfang September 2012 in Deutschland in Haus D├╝sse statt.

Rassebezogene Europaschauen, auf denen einzelne Rassen oder Rassegruppen im l├Ąnder├╝bergreifenden Vergleich stehen, wurden in der abgelaufenen Ausstellungssaison recht zahlreich durchgef├╝hrt, wobei der Schwerpunkt der Veranstaltungen in Deutschland lag. Dabei wurde darauf Wert gelegt, dass die dort eingesetzten Preisrichter dieser Rasse/Rassen und Farbenschl├Ąge sowohl aus Deutschland, aber auch aus dem Ausland kommen und bereits auf der gro├čen allgemeinen Europaschau die Rassen kennen gelernt haben.

Die Zahl der Antr├Ąge auf Anerkennung neuer Rassen und Farbenschl├Ąge ist wieder enorm (vgl. auch unten stehende Aufstellung). Auch die Tendenz, im Ausland anerkannte Rassen und Farben in Deutschland zur Anerkennung zu bringen, ohne dass daf├╝r in Deutschland eine ausreichende Zuchtbasis besteht, muss kritisch hinterfragt werden. Denn die Zahl der aktiven Z├╝chter nimmt leider ab, bzw. gibt aus Altersgr├╝nden die Zucht auf.

Verst├Ąrkt ist die Erwartung bei den Z├╝chtern zu beobachten, bei Antr├Ągen auf Anerkennung von Rassen und Farbenschl├Ągen aus dem Ausland ihre Tiere sofort im Vorstellungsverfahren pr├Ąsentieren zu k├Ânnen. Die AAB er├Âffnet zwar grunds├Ątzlich diese M├Âglichkeit, doch entscheidet immer noch der BZA, ob diesem Ansinnen stattgegeben wird, oder ob die Tiere zun├Ąchst in die Sichtung gestellt werden m├╝ssen. Der Grund daf├╝r ist eine eventuelle ├ťberpr├╝fung, ob die erforderlichen Unterschiede zu einer anderen Rasse gegeben sind; auch sind die in Deutschland gew├╝nschten farblichen Anforderungen nicht in allen L├Ąndern gegeben.

Damit soll aber den Immigranten nicht die M├Âglichkeit genommen werden, ihre Heimatrassen auch weiterhin in Deutschland zu z├╝chten. Voraussetzung daf├╝r ist aber die Mitgliedschaft in einem deutschen Gefl├╝gelzuchtverein, wobei sich die Vereine vermehrt darauf einstellen m├╝ssen, dass sie ihre Mitglieder auch aus der grossen Zahl von Einwandern rekrutieren m├╝ssen. Deren Interesse an der Gefl├╝gel- und Taubenhaltung deckt sich allerdings nicht immer mit den Vorstellungen deutscher Z├╝chter und so scheitern immer wieder Versuche, diese Tiere auch erfolgreich auf Ausstellungen zu pr├Ąsentieren, da oft nicht beachtet wird, dass Gesundheit und Schaufertigkeit wesentliche Gesichtspunkte bei der Bewertung darstellen neben den wichtigen rassetypischen Merkmalen.

Eine gemeinsame Sitzung des BZA wurde im letzten Jahr anl├Ąsslich der Bundesversammlung im Mai 2011 in Nohfelden (Saarland) durchgef├╝hrt. Zus├Ątzliche spartenbezogene Sitzungen fanden anl├Ąsslich der Junggefl├╝gelschau in Hannover, der Lipsia in Leipzig sowie der Bundessiegerschau in Dortmund statt, wobei vor allem auf Grund der Bewertungsergebnisse der Neuz├╝chtungen Standarderg├Ąnzungen beschlossen wurden, die inzwischen ver├Âffentlicht worden sind. Hierzu z├Ąhlen nat├╝rlich auch Entscheidungen, ob eine ÔÇ×Neuz├╝chtungÔÇť noch ein weiteres Jahr in dieser Abteilung verbleiben muss. Bedingt durch diesen fr├╝hen Beschlusstermin konnten bereits Anfang Januar 2012 in der jeweils ersten Nummer der Fachzeitungen den betroffenen Z├╝chtern die erforderlichen Informationen gegeben werden.

Die gefassten Beschl├╝sse werden aber zugleich den Europ├Ąischen Standardkommissionen ├╝bermittelt, sodass diese bei ihren Sitzungen ├╝ber den aktuellen Stand der Anerkennungen in Deutschland fr├╝hzeitig informiert  sind. Zugleich wird der Druck der Erg├Ąnzungsbl├Ątter f├╝r die Standardwerke fr├╝hzeitig vorbereitet, sodass diese termingerecht bei den Preisrichtern und interessierten Z├╝chtern zur Verf├╝gung stehen.

Anl├Ąsslich der Bundesschauen finden nat├╝rlich auch die regelm├Ą├čigen Begehungen durch die zust├Ąndigen Mitglieder des BZA f├╝r ihren Aufgabenbereich statt, um die Einhaltung der Standards und der AAB zu gew├Ąhrleisten.

In der Abteilung ÔÇ× Neuz├╝chtung zur Sichtung/Anerkennung ÔÇ× wurden auf den daf├╝r ausschlie├člich zugelassenen Bundesschauen insgesamt 749 Tiere gemeldet, d.h. die Zahl der vorgestellten Tiere hat um ├╝ber 20 % gegen├╝ber dem Vorjahr zugenommen. Manchmal hat man den Eindruck, dass die Aussteller verschiedener Farbenschl├Ąge einer Rasse sich nicht abstimmen, wie viele Tiere in den AAB f├╝r Neuz├╝chtungen gefordert sind. Es soll daher erneut darauf hingewiesen werden, dass zur Sichtung 2,2 Jungtiere gestellt werden m├╝ssen, wobei bei weiteren Farbenschl├Ągen derselben Rasse 1,1 Jungtiere gen├╝gen. Entscheidend sind aber der Gesamteindruck und die Einheitlichkeit der Tiere, die bei der Sichtung gem. AAB keine Bewertung erhalten. In einem zusammenfassenden Bericht ├╝ber alle Neuz├╝chtungen in der Fachpresse teilt der BZA der Z├╝chterwelt sp├Ąter seinen Eindruck ├╝ber das Sichtungsverfahren mit.

Bei der Zulassung zum Vorstellungsverfahren betr├Ągt die Mindestzahl der zu pr├Ąsentierenden Tiere 3,3 Jungtiere und 1,1 Alttiere; weitere Farbenschl├Ąge derselben Rasse k├Ânnen dann mit 1,1 Jungtieren dazu gestellt werden. Es hat sich allerdings als sinnvoll erwiesen, ein oder zwei Tiere mehr zu melden (aber auch nicht mehr), um bei einem Totalausfall eines Tieres (mit der Bewertungsnote u bei einem Ausschlussfehler ) immer noch die geforderte Mindestzahl zu erreichen.

F├╝r die Abteilung ÔÇ×Neuz├╝chtungÔÇť wurden insgesamt 749 Tiere gemeldet, und sp├Ąter meistens auch gezeigt, das sind ├╝ber 20 % mehr als im Vorjahr. Zugenommen haben vor allem die Tauben und die Zwergh├╝hner. Eine ├ťbersicht ergibt 26 G├Ąnse (4 Rassen, 4 Farbenschl├Ąge), 70 Enten (6 Rassen, 8 Farbenschl├Ąge), 78 H├╝hner (15 Rassen, 17 Farbenschl├Ąge), 227 Zwergh├╝hner (31 Rassen, 42 Farbenschl├Ąge) sowie 348 Tauben (37 Rassen, 76 Farben-schl├Ąge). Es fehlten allerdings einige Rassen und Farbenschl├Ąge, die bereits die Zulassung des BZA zum Vorstellungsverfahren haben. Es soll daher darauf aufmerksam gemacht werden, dass der BZA auch Rassen und Farbenschl├Ąge aus dem Vorstellungsverfahren streichen kann, wenn diese mehrere Jahre ohne ersichtlichen Grund nicht mehr gezeigt werden.

Wie immer soll auch hier auf die Bedeutung der Sichtungsklasse verwiesen werden, die es dem Z├╝chter erm├Âglicht, mit einer geringeren Tierzahl den Zuchtstand seiner neuen Rasse/Farbe zu pr├Ąsentieren. Allerdings w├Ąre es vereinzelt auch sinnvoll, eine Neuz├╝chtung noch zur├╝ckzustellen, wenn die Hinweise des BZA deutlich machen, dass das angestrebte Zuchtziel aus der Vorstellung in der Sichtungsklasse noch nicht erreicht ist. Alttiere geh├Âren nicht in die Sichtungsklasse, sondern sollen erst bei der Vorstellung pr├Ąsentiert werden, damit auch der Zuchtfortschritt im Vorstellungsverfahren erkennbar ist.

Die Sichtungsklasse bew├Ąhrt sich auch bei der Pr├Ąsentation von unbekannten ausl├Ąndischen Rassen, da hier erstmals gepr├╝ft werden kann, ob eine eventuelle sp├Ątere Anerkennung nicht zu Verwechslungen mit bereits in Deutschland anerkannten Rassen oder Farben f├╝hren kann. Weiterhin kann gepr├╝ft werden, ob neue Rassen aus dem Ausland nicht mit den Vorstellungen des Deutschen Tierschutzgesetzes kollidieren. Hierbei muss der BZA strenge Ma├čst├Ąbe anlegen, um m├Âgliche sp├Ątere Auseinandersetzungen mit den Beh├Ârden zu vermeiden.

Andere bekannte ausl├Ąndische Rassen, die bereits ├╝ber Europaschauen der EE bekannt sind, k├Ânnen jedoch auf Beschluss des BZA sofort in das Vorstellungsverfahren ├╝bernommen werden. Eine ├ťbernahme in die deutschen Standards ist allerdings ausschlie├člich von der Qualit├Ąt der vorgestellten Tiere abh├Ąngig.

Rassen und Farbenschl├Ąge k├Ânnen f├╝r das Vorstellungsverfahren nur ├╝bernommen werden, wenn zuvor termingerecht (1. Februar des laufenden Jahres) ein Antrag beim BZA gestellt wird. Alle anderen Rassen und Farbenschl├Ąge gelangen nur in das Sichtungsverfahren, wobei die Bestimmungen der AAB zu beachten sind, jedoch gilt hier kein Schlusstermin.

Bedanken m├Âchte ich mich bei den Kollegen des BZA, die mir meine Anfragen termingerecht beantwortet haben, so dass alle Anfragen aus der Z├╝chterwelt zeitnah beschieden werden konnten. Dabei ist mir und meinen Kollegen des BZA das Internet eine wertvolle Hilfe. Es w├╝rde den Schriftverkehr erleichtern, wenn bei allen Anfragen von Z├╝chtern sowie den Sondervereinen neben der E-Mail-Adresse auch eine vorhandene Fax-Nummer angegeben w├╝rde.

Die Fachpresse ist dankenswerterweise auf alle Terminw├╝nsche eingegangen, und hat alle Bekanntmachungen des BZA termingerecht ver├Âffentlicht. Viele Informationen finden sich auch auf den Webseiten des BDRG und der EE.

Diskussionen mit dem Pr├Ąsidium wurden in reger und sachlicher Weise gef├╝hrt, wobei ich diesem Gremium, an ihrer Spitze Pr├Ąsident Riebniger sowie dem 1. Vizepr├Ąsidenten Wesch, der die offiziellen Kontakte zum BZA pflegt,  f├╝r die gute und verst├Ąndnisvolle Zusammenarbeit danken m├Âchte. In diesen Dank m├Âchte ich die Gesch├Ąftsstelle des BDRG einschlie├čen, die f├╝r mich entfernungsm├Ą├čig leicht zu erreichen ist.

 

Dr. Werner L├╝thgen