Jahresbericht 2010

Im abgelaufenen GeschĂ€ftsjahr hat es in der personellen Zusammensetzung des Bundes-Zucht- und Anerkennungsausschusses (BZA) eine VerĂ€nderung gegeben. Bereits vor der Bundesversammlung in Freudenstadt hat Willi Kolb von der Sparte Tauben seinen RĂŒcktritt aus dem BZA zum Jahresende 2010 erklĂ€rt. Ihm sei an dieser Stelle fĂŒr seine langjĂ€hrige TĂ€tigkeit im BZA zum Wohl der Deutschen Rassetaubenzucht gedankt In Abstimmung mit dem VDT hat der BZA der Bundesversammlung Heinrich Wenzel vom Landesverband Hessen-Nassau als Nachfolger vorgeschlagen, der dann auch einstimmig gewĂ€hlt wurde. So war die Sparte Tauben ausreichend mit Mitgliedern bestĂŒckt, um auch LĂŒcken zu schließen, die dadurch  entstanden waren, daß Dr. Werner LĂŒthgen an zwei Bundesschauen nicht zur VerfĂŒgung stand, da er z.B. als Mitglied der Ausstellungsleitung der 92. Bundessiegerschau tĂ€tig war. Mit weiteren personellen Wechseln ist im Verlauf der kommenden Jahre zu rechnen.

Abschied nehmen mußten wir von dem frĂŒheren Vorsitzenden des BZA Ernst Meckenstock, der fĂŒr uns ĂŒberraschend im letzten Jahr verstarb, nachdem wir ihn noch auf der Bundesversammlung in Freudenstadt begrĂŒĂŸen konnten.

Die anlĂ€ĂŸlich der Bundesversammlung in Freudenstadt vom Gesamtvorstand  beschlossene Novellierung der GeschĂ€ftsordnung des BZA hat sich bewĂ€hrt.  Damit wurden die bisherigen Sparten I und II zu einer Sparte GeflĂŒgel zusammengefasst, zumal beide Sparten schon in den letzten Jahren immer zusammen gearbeitet haben. Zugleich erfolgt damit eine Anpassung an die Regelung in der EE. Personell haben sich zunĂ€chst keine Änderungen ergeben. Die Vertreter des ZiergeflĂŒgels werden nur noch an den Sitzungen teilnehmen, wenn Fragen aus diesem Bereich auf der Tagesordnung stehen.

Erfreulicherweise konnten in der abgelaufenen Ausstellungssaison 2010/2011 alle Bundesschauen und sonstige grĂ¶ĂŸere Ausstellungen durchgefĂŒhrt werden, da im letzten Jahr keine FĂ€lle von  GeflĂŒgelgrippe in Deutschland bekannt geworden sind, sodaß das Friedrich-Löffler-Institut in seinem Bericht zur Lage die Gefahr der Einschleppung dieser Seuche durch das RassegeflĂŒgel als gering angesehen hat. Allerdings litten in bestimmten BundeslĂ€ndern die Aussteller unter unverstĂ€ndlichen Auflagen der jeweils zustĂ€ndigen AmtstierĂ€rzte, wĂ€hrend in allen anderen LĂ€ndern und Kommunen eine Einlasskontrolle als ausreichend angesehen wurde.

Wie bereits in den vergangenen Jahren festgestellt wurde, setzt sich der Trend fort, dass Großschauen mit grĂ¶ĂŸeren Tierzahlen vornehmlich in den neuen BundeslĂ€ndern durchgefĂŒhrt werden, wĂ€hrend  Ausstellungen an den klassischen Ausstellungsorten im Westen und Norden  Deutschlands offensichtlich an AttraktivitĂ€t fĂŒr die ZĂŒchter verlieren. Dieser Trend wurde erstmals anlĂ€ĂŸlich der 92. Bundessiegerschau in Frankfurt a.M. durchbrochen, die als grĂ¶ĂŸte GeflĂŒgelausstellung der Welt fĂŒr diese Ausstellungssaison angesehen werden kann.

Die zeitliche und rĂ€umliche  Aufsplitterung der Verbandsschauen (Bundesschauen) hat allerdings dazu beigetragen, dass die ZĂŒchter gezwungen wurden, an vielen Orten prĂ€sent zu sein. Das trifft auch fĂŒr die Mitglieder des BZA zu, da auf allen Bundesschauen NeuzĂŒchtungen vorgestellt werden können. Hinzu kam die Aufgabe fĂŒr die BZA-Mitglieder, ĂŒber die Beachtung der Standards zu wachen.

Termingerecht konnten die ErgĂ€nzungsblĂ€tter fĂŒr den GeflĂŒgelstandard fĂŒr Europa verschickt werden. Diese können weiterhin bei den Versandstellen der Organisation bezogen werden, wobei zum wiederholten Mal darauf hingewiesen werden soll, dass fĂŒr die Bewertung von Rasse- und ZiergeflĂŒgel ausschließlich die aktuellen Standards zugrunde zu legen sind.

Neue Rassen und FarbenschlĂ€ge aus dem Ausland werden weiterhin in nicht unerheblichem Umfang von den ZĂŒchtern importiert und in Deutschland ins Anerkennungsverfahren gestellt. Die Anerkennung erfolgt dann nach Vorstellung in Zusammenarbeit mit den HerkunftslĂ€ndern, wobei ein reger Gedankenaustausch mit den Standardkommissionen dieser LĂ€nder sichergestellt ist, nicht zuletzt durch die gemeinsame Arbeit in den Standard-kommissionen der EE. Diese Basis wird auch vermehrt benutzt, um aus den nationalen Standards allmĂ€hlich Europastandards zu formen, deren Inhalt dann auch verbindlich ist fĂŒr die weiterhin in den einzelnen LĂ€ndern in der Heimatsprache gedruckten Standards. Offen ist noch die Frage der Verwendung einheitlicher Standardbilder. Zum gegenwĂ€rtigen Zeitpunkt gelten die in den deutschen Standards verwendeten Bilder als mustergĂŒltig, so dass wohl mit Zustimmung des BDRG diese auch im Ausland Verwendung finden werden. Dabei soll nicht verkannt werden, dass auch in den deutschen Standardwerken z.T. Bilder aus dem Ausland Eingang gefunden haben.

Eine  Schulungs- und Informationstagungen der EE wurde im September 2009 in Luxemburg sowie in Belgien durchgefĂŒhrt, an der zahlreiche deutsche Preisrichter teilgenommen haben, auch im Hinblick auf den Einsatz auf der allgemeinen Europaschau in Leipzig im Jahre 2012. neuen Rassen und FarbenschlĂ€gen ungebrochen ist, und die Arbeit des BZA auch in den kommenden Jahren gesichert ist.

Rassebezogene Europaschauen, auf denen einzelne Rassen im lĂ€nderĂŒbergreifenden Vergleich stehen, wurden im abgelaufenen Jahr recht zahlreich durchgefĂŒhrt, wobei der Schwerpunkt der Veranstaltungen in Deutschland lag.  Dabei ist auch von Bedeutung, dass die dort eingesetzten Preisrichter diese Rasse / Rassen und FarbenschlĂ€ge sowohl aus Deutschland, aber auch aus dem Ausland kommen und  bereits auf der großen allgemeinen Europaschau die Rassen  kennen gelernt haben.

Die Zahl der AntrĂ€ge auf Anerkennung neuer Rassen oder FarbenschlĂ€ge ist wieder enorm, wobei erstmals auch Überlegungen angestellt wurden, alte Rassen, die seit vielen Jahren als ausgestorben gelten, wieder neu zu erzĂŒchten. Die bisherigen Versuche mĂŒssen aber als wenig erfolgversprechend angesehen werden, sodaß der BZA den Beschluß gefasst hat, derartige Zuchtversuche nicht mehr unter dem alten Namen anzuerkennen, sondern den Rassen neue Namen zu geben.

Auch die Tendenz, im Ausland anerkannte Rassen und Farben auch in Deutschland zur Anerkennung zu bringen, ohne dass dafĂŒr in Deutschland eine ausreichende Zuchtbasis besteht, muss kritisch hinterfragt werden, denn die Zahl der aktiven  ZĂŒchter nimmt leider ab, bzw. gibt aus AltersgrĂŒnden die Zucht auf. Damit soll aber den Immigranten nicht die Möglichkeit genommen werden, ihre Heimatrassen auch weiterhin in Deutschland zu zĂŒchten.

Deren Interesse an der GeflĂŒgel- und Taubenhaltung deckt sich allerdings nicht immer mit den Vorstellungen deutscher ZĂŒchter, und so scheitern immer wieder Versuche, diese Tiere auf den Ausstellungen zu prĂ€sentieren, da oft  nicht beachtet wird, dass Gesundheit und Schaufertigkeit ein wesentlicher Gesichtspunkt bei der Bewertung darstellen, neben den wichtigen rassetypischen Merkmalen.
Die gemeinsame Sitzung des BZA wurde im letzten Jahr anlĂ€sslich der Bundesversammlung im Mai 2010 in Freudenstadt durchgefĂŒhrt. Eine zusĂ€tzliche, spartenbezogene Sitzung fand anlĂ€sslich  der Nationalen Bundessiegerschau Frankfurt a.M.  statt, wobei vor allem auf Grund der Bewertungsergebnisse der NeuzĂŒchtungen StandardergĂ€nzungen beschlossen wurden, die inzwischen veröffentlicht worden sind. Hierzu zĂ€hlen natĂŒrlich auch Entscheidungen, ob eine „NeuzĂŒchtung“ noch ein weiteres Jahr in dieser Abteilung verbleiben muss. Dieser frĂŒhe Beschlusstermin dient vor allem der Information der betroffenen ZĂŒchter, aber auch der Vorbereitung der Sitzungen der EuropĂ€ischen Standardkommissionen, und damit zugleich der Vorbereitung der ErgĂ€nzungsblĂ€tter fĂŒr den Deutschen RassegeflĂŒgelstandard als Standard fĂŒr Europa sowie den Deutschen Rassetaubenstandard.

Das Ergebnis der Bewertungen der in der Sichtung, bzw. in der Vorstellung prĂ€sentierten Tiere wurde frĂŒhzeitig in der Fachpresse veröffentlicht.

AnlĂ€sslich der Bundesschauen finden natĂŒrlich auch die regelmĂ€ĂŸigen Begehungen durch die zustĂ€ndigen Mitglieder des BZA fĂŒr ihren Aufgabenbereich statt, um die Einhaltung der Standards und der AAB zu gewĂ€hrleisten.

In der Abteilung „NeuzĂŒchtung zur Sichtung/Anerkennung“ wurden auf den dafĂŒr ausschließlich zugelassenen Bundesschauen insgesamt 598 Tiere gemeldet, d.h. die Zahl der vorgestellten Tiere war etwas rĂŒcklĂ€ufig, bzw. konzentrierte sich auf wenige Schauen. Manchmal hat man den Eindruck, dass die Aussteller verschiedener FarbenschlĂ€ge einer Rasse sich nicht abstimmen, wieviel Tiere gefordert sind. Es soll daher noch einmal darauf aufmerksam gemacht werden, dass zur Sichtung 2,2 Jungtiere gestellt werden mĂŒssen, wobei bei weiteren FarbenschlĂ€gen derselben Rasse dann 1,1 Jungtiere genĂŒgen. Entscheidend ist aber immer der Gesamteindruck und die Bewertung der Tiere.

Zur Anerkennung betrĂ€gt die Mindestzahl 3,3 Jungtiere und 1,1 Alttiere; weitere FarbenschlĂ€ge derselben Rasse können dann mit 1,1 Jungtieren dazu gestellt werden. Es hat sich allerdings als sinnvoll erwiesen, ein oder 2 Tiere mehr zu melden, um bei einem Totalausfall eines Tieres (mit der Bewertungsnote u) immer noch die geforderte Mindestzahl erreicht wird. Diese Bestimmungen in der AAB können im Satzungsordner des BDRG nachgelesen werden, wobei die Mitglieder des BZA immer wieder die Erfahrung machen, dass derselbe leider nicht in den Vereinen vorhanden ist, so dass ĂŒber die Voraussetzungen des Ausstellungswesen nur sehr vage Vorstellungen vorhanden sind.

Die in der Abteilung „NeuzĂŒchtung“ gemeldeten, aber nicht immer gezeigten, Tiere, setzen sich wie folgt zusammen:16 GĂ€nse (2 Rassen, 2 FarbenschlĂ€ge), 59 Enten  (7 Rassen, 9 FarbenschlĂ€ge), 84 HĂŒhner (10 Rassen, 15 FarbenschlĂ€ge),  167 ZwerghĂŒhner (22 Rassen, 28 FarbenschlĂ€ge), 272 Tauben (34 Rassen, 64 FarbenschlĂ€ge). Dabei hat die Zahl der vorgestellten Enten deutlich zugenommen, wĂ€hrend die Zahl der HĂŒhner und Tauben rĂŒcklĂ€ufig war.

Wie immer, soll auch hier auf die Bedeutung der Sichtungsklasse verwiesen werden, die es dem ZĂŒchter ermöglicht, mit einer geringeren Tierzahl dem BZA den Zuchtstand seiner neuen Rasse/Farbe zu prĂ€sentieren. Die Sichtungsklasse bewĂ€hrt sich auch bei der PrĂ€sentation von unbekannten auslĂ€ndischen Rassen, da hier erstmals geprĂŒft werden kann, ob eine eventuelle spĂ€tere Anerkennung nicht zu  Verwechslungen mit bereits in Deutschland anerkannten Rassen oder Farben fĂŒhren kann. Weiterhin kann geprĂŒft werden, ob neue Rassen aus dem Ausland nicht mit den Vorstellungen des Deutschen Tierschutzgesetzes kollidieren. Manche auslĂ€ndischen Rassen, die innerhalb des Europaverbandes in einigen LĂ€ndern anerkannt sind, haben keine Aussicht auf Übernahme in Deutsche Standards. Andere bekannte auslĂ€ndische Rassen, die bereits ĂŒber Europaschauen der EE bekannt sind, können jedoch auf Beschluss des BZA sofort in das Vorstellungsverfahren ĂŒbernommen werden. Eine Übernahme in die deutschen Standards ist allerdings ausschließlich von der QualitĂ€t der vorgestellten Tiere abhĂ€ngig.

Bedanken möchte ich mich bei den Kollegen des BZA, die mir meine Anfragen termingerecht beantwortet haben, so dass alle Anfragen aus ZĂŒchterkreisen zeitnah beschieden werden konnten. Dabei ist mir und meinen Kollegen des BZA das Internet eine wertvolle Hilfe. Es wĂŒrde den Schriftverkehr erleichtern, wenn bei allen Anfragen von ZĂŒchtern, aber auch von Sondervereinen neben der eMail-Adresse auch eine vorhandene Fax-Nummer angegeben wĂŒrde.

Die Fachpresse ist dankenswerterweise auf alle TerminwĂŒnsche eingegangen, und hat alle Bekanntmachungen des BZA termingerecht veröffentlicht. Viele Informationen finden sich auch auf den Webseiten des BDRG und der EE.

Diskussionen mit dem PrĂ€sidium wurden in reger und sachlicher Weise gefĂŒhrt, wobei ich diesem Gremium, in ihrer Spitze PrĂ€sident Riebniger sowie dem 1. VizeprĂ€sidenten Wesch, der die offiziellen Kontakte zum BZA pflegt, fĂŒr die gute und verstĂ€ndnisvolle Zusammenarbeit danken möchte. In diesen Dank möchte ich die GeschĂ€ftsstelle des BDRG einschließen, die fĂŒr mich entfernungsmĂ€ĂŸig leicht zu erreichen ist.

 

 Dr. Werner LĂŒthgen