Z├╝chtertreffen des Landesverbandes Bayern im Zeichen der Vogelgrippe

Bericht ├╝ber das Z├╝chtertreffen am 04.03.2017 in Georgsgm├╝nd

Eigentlich sollte der Bayrische Z├╝chtertag in der Lehr- und Versuchsanstalt Triesdorf stattfinden, aber wegen eines gefundenen Wildvogels bei dem H5 Subtyp nachgewiesen wurde, wollte die Lehr- und Versuchsanstalt ihre Tore nicht f├╝r die Z├╝chter und Interessierten ├Âffnen. Kurzerhand mussten die Veranstalter auf eine Halle in Georgsgm├╝nd ausweichen. Die Teilnehmerzahl bel├Ąuft sich im Normalfall auf ca. 200 Personen an den Bayrischen Z├╝chtertagen. Aufgrund der Aufstallungspflicht in ganz Bayern war das Programm besonders auf die Aufstallung und den Tierschutz ausgerichtet. Kurzfristig sagte Dr. Rehm vom Ministerium in M├╝nchen sein Kommen zu, um die Sicht des Ministeriums dar zu legen. Dies war dann auch der Grund daf├╝r, dass f├╝r den Landestierschutzbeauftragten ein Mitglied des Tieschutzbeirates des BDRG referieren sollte, der genaueres zum Thema Vogelgrippe sagen konnte. Diese Aufgabe ├╝bernahm Franz Nuber f├╝r den BDRG und das AVF. Der BDRG und das AVF kooperieren seit kurzen mit Nachdruck gegen die Aufstallung, gegen die T├Âtung von gesunden Tieren und f├╝r eine sinnvolle ├änderung der Gefl├╝gelpestverordnung.

Fast 500 Teilnehmer konnten durch den  Landesverbandsvorsitzenden von Bayern, Georg Herrmann begr├╝├čt werden. Diese enorme Beteiligung spiegelt die Problematik wider, unter welchen Auflagen die Tiere der Z├╝chter durch die Aufstellungspflicht leben m├╝ssen. Als erster fand Christoph G├╝nzel, Pr├Ąsident des BDRG klare Worte und sprach davon dass das Vorgehen ÔÇ×nicht richtig sei, es sei katastrophal, was sich da gerade abspiele, ein ganz trauriges Kapitel.ÔÇť

Anschlie├čend erhielt Dr. Rehm vom Ministerium das Wort um den Standpunkt als Tierseuchenexperte dar zu legen. Er zeichnete die Dynamik auf, mit welcher sich die Vogelgrippe ausbreitet. Es seien 100 F├Ąlle von infizierten Wildv├Âgeln in Bayern nachgewiesen. Er berief sich auf die aktuelle Risikoeinsch├Ątzung durch das FLI und hielt aufgrund dieser ein weiteres Aufstallen in Bayern f├╝r sinnvoll. Er wies besonders auf den Schutz des Wirtschaftsgefl├╝gels hin.

Im Anschluss ging Franz Nuber vom Tierschutzbeirat des BDRG und f├╝r das AVF die Thematik v├Âllig anders an. Er widersprach der Zugvogelthese des FLI, mit der das Institut seit Jahren die Pr├Ąsenz des Virus in Deutschland und Europa zu rechtfertigen versucht. Hierzu lieferte er plausible Argumente gegen diese Theorie. Er zeigte mittels des Vogelgrippefalles in W├Ârth mit dem niedrigpathogenen Virus H5N3 die Unsinnigkeit der bestehenden Gefl├╝gelpestverordnung auf. Nach dem derzeitigen Stand der Gefl├╝gelpestverordnung h├Ątten alle 540 Tiere in der Anlage get├Âtet werden m├╝ssen, so sieht diese das selbst bei diesem H5-Subtyp vor. Nur durch beherzten Einsatz der Z├╝chter der Anlage, des BDRG, des Aktionsb├╝ndnis VogelFrei, eines Rechtsanwaltes (Einstweilige Verf├╝gung) und der Pr├Ąsenz einer enormen Beteiligung der ├ľffentlichkeit konnte mit dem Kreis und dem Landesministerium ein Ma├čnahmenkatalog erstellt werden, um durch Einrichtung einer Quarant├Ąne die Tiere retten zu k├Ânnen. Nuber unterstrich, dass bis zum heutigen Tag keines der Tiere erkrankt oder gestorben sei und der aktuelle Stand der Dinge ist, dass keines der Tiere bei der letzten Beprobung noch nachweisbare Viren gehabt h├Ątte. Er verglich dies mit einer Grippewelle im Kindergarten, ÔÇ×wenn diese einmal durch die Kinder durch ist, ist das Thema ausgestandenÔÇŽÔÇť Der Fall W├Ârth wird nach dem kompletten Abschluss der Quarant├Ąne in zwei Masterarbeiten dokumentiert. Einmal ├╝ber die biologische Schiene (gest├╝tzt vom BDRG) und die verwaltungsrechtliche Schiene (gest├╝tzt vom Kreis Germersheim), so der Referent. Unter dem Gesichtspunkt seines Referates ÔÇ×Heimliche Bedrohung oder bedrohte HeimlichkeitÔÇť ging Franz Nuber nochmal auf Ursache und Symptom ein. Seiner Meinung nach sind Wildv├Âgel ganz nat├╝rliche Reservoirwirte der niedrigpathogenen Influenzavieren, das gibt selbst des FLI mit 25% der Wildv├Âgel an. Gelangen diese niedrigpathogenen Influenzavieren in Massentierstallungen k├Ânnen diese durch die enorme Besatzdichte zu einem erh├Âhten Infektions- und Seuchendruck f├╝hren. Hierdurch werden schnell mal aus niedrigpathogenen hochpathogene Influenzavieren. Dieser Mechanismus wird in der Fachliteratur umfassend beschrieben. Bringt man aus einem derartig infizierten Bestand einer Mastanlage den Gefl├╝gelkot auf Felder aus, kann er nat├╝rlich von Wildv├Âgeln aufgenommen und ÔÇ×verschlepptÔÇť werden. Hier muss man aber klar Ursache und Symptom unterscheiden und wissenschaftlich untermauern. Nuber sieht hier die Beweislast beim FLI mit seiner Risikobewertung.

Die anschlie├čende Diskussion verlief kontrovers aber fachlich und sachlich korrekt, einige Emotionen geh├Ârten hier allerdings dazu, da vielen Z├╝chtern wegen ihrer ÔÇ×inhaftiertenÔÇť Tiere die Nerven doch sichtlich blank lagen.

Weitere Beitr├Ąge zu Tierschutz und Unterbringung von Gefl├╝gel kamen von Dr. Inga Thiemann und Dr. Mareike Fellmin (beide vom Wissenschaftlichen Gefl├╝gelhof des BDRG) und Wilhelm Bauer (Mitglied des Bundeszuchtausschusses). ├ťber diese Beitr├Ąge wird an anderer Stelle ausf├╝hrlicher berichtet.

 

Franz Nuber
Tierschutzbeirat des BDRG