ThĂŒringer Kröpfer: Rasse des Jahres 2022 im BDRG

Nicht nur die Tierliebe ist eine alte angeborene Gewohnheit der ThĂŒringer, auch der Hang zur Pflege von Rassetauben und deren ZĂŒchtung und Erhaltung ist hier weit verbreitet. Beweis dafĂŒr ist die große Zahl an Taubenrassen, die in den thĂŒringer ZĂŒchterwerkstĂ€tten ihren Ursprung haben und dort erzĂŒchtet wurden. Neben den vielen entstandenen Farbentaubenrassen entstammt auch eine Kröpferrasse aus diesen „WerkstĂ€tten“ im grĂŒnen Herzen Deutschlands – der ThĂŒringer Kröpfer. Seine Heimat und sein Ursprungsgebiet liegen in MittelthĂŒringen und besonders im Raum um Apolda, Jena und Arnstadt. Hier war er einst und ist er noch heute am weitesten verbreitet. Auch wurde hier der Sonderverein im Jahr 1947 gegrĂŒndet, der in  diesem Jahr das 75-jĂ€hrige JubilĂ€um feiern kann.

Rasseentstehung

Die Rasseentstehung wurde in der Vergangenheit von R. Stiller detailliert aufgearbeitet und zum 50-jĂ€hrigen SV-JubilĂ€um 1997 in „Der Taubenfreund“ Ausgabe 18 veröffentlicht. Darin schreibt er „
Die Entwicklung dieser Rasse lĂ€sst sich bis in das Jahr 1763 zurĂŒckverfolgen, denn Frisch erwĂ€hnt in seinem Tafelwerk eine Taube mit weißem Kopf, weißen Schwingen und weißem Schwanz. Dazu trĂ€gt dieses Tier noch eine Spitzkappe. Es ist also eine Mönchszeichnung. Da das Tier auch leicht blasend dargestellt wird, kann man hier schon von einer Kropftaube sprechen. Im Ulmer Taubenbuch (um 1790 erschienen) werden auch Kropftauben beschrieben, so dass wohl obige Angaben hiermit bestĂ€tigt werden. Eine Zeichnung in Neumeisters Buch ĂŒber die Taubenzucht von 1836 zeigt die gemeine Deutsche Kropftaube, die wohl als Stammform fĂŒr einige Kröpferrassen (u. a. Elsterkröpfer, eventuell Schlesische Kröpfer) mit anzusehen ist. Diese deutsche Kropftaube kommt sowohl mit Haube als auch glattköpfig vor.

1904 wird von Gustav PrĂŒtz in seinem Buch „Mustertauben“ ĂŒber die Verbreitung und Eigenheiten der verschiedenen Kropftauben berichtet. Er stellt dabei heraus, dass sich die Tauben im Körperbau, in den Beinen (lange, kurze, befiederte, unbefiederte) und auch in den Kropfformen unterscheiden. Er beschreibt die Große Altdeutsche Kropftaube, die in den Farben „Weiß, Schimmelig in Rot, Gelb oder Blau, oder Blau mit weißem Kopfe oder Schwarz mit weißem Kopfe“ vorkam. Die Weißköpfe hatten meistens eine schmale Haube, kamen aber auch glattköpfig vor. Die Blauen mit weißem Kopf wurden in Mitteldeutschland „Berliner“, die roten und gelben Weißköpfe als „Breslauer“ bezeichnet. Diese Rasse wurde aber schon bald nicht mehr in ihrer einstigen Form gezeigt.

Daneben fĂŒhrt PrĂŒtz noch die mittelgroße Deutsche Kropftaube auf, die in den Grundfarben, als Schimmel, Schecken und Farbiggezeichnete vorkam. Diese Tauben waren in ThĂŒringen spitzhĂ€ubig.

Weiter beschreibt PrĂŒtz den Deutschen Weißkopf - Kröpfer, der in allen Grundfarben vorkommt. Zum ersten Mal wird von ihm auch eine Zeichnung veröffentlicht, mit der man eine große Übereinstimmung mit dem ThĂŒringer Kröpfer feststellen kann. Schon 1925 zeigt Schachtzabel in seinem » Illustrierten Prachtwerk der Taubenrassen « den ThĂŒringer Kröpfer neben dem Böhmischen Kröpfer und dem Schlesischen Kröpfer. Das ist ein Beleg dafĂŒr, dass die ZĂŒchter der oben genannten Deutschen Kropftaube eigene Wege, meist auf bestimmte Territorien begrenzt, gegangen sind.

Oswald Wittig fĂŒhrt in einem Mustertaubenbuch aus dem Jahr 1922 bereits den ThĂŒringer Kröpfer als eigene Rasse auf und stellt die Tauben in einem Aquarell von Witzmann vor (siehe Abbildung). Vom selben Maler stammt eine weitere Darstellung aus den Jahren 1941/42. Es zeigt im Hintergrund den Hof und das StallgebĂ€ude von Hugo Weischner
“

Der Pionier der ErzĂŒchtung und Anerkennung des ThĂŒringer Kröpfers war eben jener Hugo Weischner (1880 - 1958), Landwirt und BĂŒrgermeister aus Großromstedt, was ca. 5 Kilometer entfernt von Apolda liegt. In der „Schweizerischen Taubenzeitung“ vom 4. Juni 1965 schreibt der Autor Heinz KaupschĂ€fer: „...Den Ă€lteren ZĂŒchtern wird der Name Hugo Weischner noch etwas sagen. Über mehrere hundert Paare von ThĂŒringer Kröpfern verfĂŒgte dieser ZĂŒchter...“

Im Jahr 1921 stellte Weischner zu einer Ausstellung in Weimar seine Tiere als „ThĂŒringer Weißkopf-Kröpfer“ aus und zudem noch Deutsche Kröpfer in Weiß, Fahl und Blau – aber wohlgemerkt noch keine ThĂŒringer Kröpfer. Zum ersten Mal, dass Weischner seine Tiere unter dem Namen ThĂŒringer Kröpfer zeigt war zur Nationalen GeflĂŒgelausstellung 1924 in Leipzig. Hier stellte er 9 Einzeltiere zur Bewertung. Aber schon 4 Wochen spĂ€ter zu einer Ausstellung in Apolda nennt er sie bereits wieder Deutsche Kröpfer, aber zum ersten Mal auch unter anderem in den Farbenschlagsbezeichnungen gelbgemöncht und blaugemöncht.  Ab dem Jahr 1925 kam hier jedoch eine klarere Linie herein, denn von nun an hießen seine ausgestellten Tiere nur noch ThĂŒringer Kröpfer.

Einen Standard zur Bewertung gab es damals noch nicht, jedoch eine etwas detaillierte Beschreibung des ThĂŒringer Kröpfers und zwar in dem bereits beschriebenen „Illustrierten Prachtwerk der Taubenrassen“. Hier benennt Gustav PrĂŒtz die Eigenschaften und Merkmale des ThĂŒringer Kröpfers wie er ihn kannte. „...Ein walzenförmiger Kropf, zwei durch Federn gut abgedeckte Schenkel und die Farben Schwarz, Blau, Rot und Gelb, als Mönchszeichnung sowie einfarbig, charakterisieren den ThĂŒringer...“. Zudem beschreibt Oswald Wittig in seinem „Mustertaubenbuch“ bereits den ThĂŒringer Kröpfer als eigenstĂ€ndige Rasse. Die erste offizielle Musterbeschreibung dieser damals neuen Rasse wurde 1934 in der GeflĂŒgelbörse in Leipzig mit einer genauen Aussage zu den Beinen, zur Kropfform, FlĂŒgelhaltung, zur Körperhaltung und groben Fehlern veröffentlicht. Die veröffentlichten Musterbilder zeigen einen weißen und einen schwarzgemönchten ThĂŒringer mit Rassemerkmalen und Typ, die sich bis heute so erhalten haben. Diese Musterbeschreibung diente Fortan als Grundlage der zĂŒchterischen Arbeit an der Rasse. Der Standard wurde selbst in Jahrzehnten nur wenig verĂ€ndert. So konnte man wohl einen großen Teil des damaligen urigen Bauern-Kröpfers in Typ und Zuchtfreundigkeit bis heute erhalten.

GrĂŒndung des Sondervereins und seine Geschichte

In den 30iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es verschiedene BemĂŒhungen, die ZĂŒchter des ThĂŒringer Kröpfers in einer Vereinigung zu versammeln und so den weiteren Entwicklungsprozess und die Verbreitung der Rasse zu forcieren. ZunĂ€chst geschah dies ab 1932 im vom Berliner Juhre gefĂŒhrten Sonderverein seltener Kröpferrassen. Der SV bestand einige Jahre, wenngleich die ZĂŒchter des ThĂŒringer Kröpfers schnell Druck machten und sich in einer eigenen Interessengemeinschaft fĂŒr ihre Rasse fanden. Hier waren der Chemiker Otto Friese und Hermann Koch (beider aus Arnstadt) die eigentlichen SĂ€ulen beim VorlĂ€ufer des heutigen Sondervereins. Erste ernsthafte BemĂŒhungen zur GrĂŒndung eines eigenstĂ€ndigen Sondervereins gab es im Jahr 1938. Koch bat in einem Brief an den damaligen LV-Vorsitzenden Max MĂŒller aus Meuselwitz um Erteilung einer Erlaubnis zur GrĂŒndung eines solchen Vereins. Die damalige Reichsfachgruppe hat wohl der Anfrage nicht zugestimmt, da in den Folgejahren im herausgegebenen „Kalender fĂŒr GeflĂŒgelzĂŒchter“ ein eigener SV fĂŒr ThĂŒringer Kröpfer nicht aufgefĂŒhrt wurde.

Nach dem 2. Weltkrieg, nĂ€mlich zu Beginn des Jahres 1947, bekam Koch nun doch endlich die Erlaubnis. Dies ist vor allem auch engagierten ZĂŒchtern wie Otto Friese zu verdanken, denn er machte unermĂŒdlich mit vielen Artikeln in der Fachpresse auf die Rasse aufmerksam und weckte so Interesse vieler neuer ZĂŒchter in Deutschland. Friese erlebte einen eigenstĂ€ndigen Sonderverein, fĂŒr den er so hingabevoll warb, leider nicht mehr mit. Die GrĂŒndung fand in Arnstadt zeitlich um den 10. Juli 1947 statt, denn da erschien ein Artikel von Hermann Koch im ThĂŒringer KleintierzĂŒchter, wo er zum Eintritt aller aktiven ZĂŒchter der Rasse in den SV aufrief. Genauer kann das GrĂŒndungsdatum leider nicht mehr beziffert werden. Die Registrierung des SV erfolgte laut Registerkarte unter der Nummer 262 im Oktober 1947. GrĂŒndungsmitglieder waren Hermann Koch (Arnstadt), Hugo Weischner (Großromstedt), Hans Stelzer (Geschwenda), Rudolf Koch (Wormstedt), Heinz Lohengel (Alkersleben) und GĂŒnter Görlei (Meilitz).

WĂ€hrend den 40 Jahren deutscher Teilung, wurde der Sonderverein in der DDR auf Anweisung der Behörden in SZG ThĂŒringer Kröpfer umbenannt (1958) und im Gebiet der Bundesrepublik ein zweiter deutscher Sonderverein am 15.11.1959 in MĂŒnchen gegrĂŒndet. Bei der GrĂŒndungsversammlung in MĂŒnchen war auch ein ostdeutscher ZĂŒchter mit anwesend, nĂ€mlich Willi Sauerbrei aus Geraberg. Sauerbrei fungierte spĂ€ter ab 1962 auch als 1. Vorsitzender der SZG. Die Registrierung des zweiten Sondervereins erfolgte beim VDT unter der Nummer 140.  

Von da an wurde der ThĂŒringer Kröpfer von zwei Sondervereinen betreut. Ein Zusammentreffen von ZĂŒchtern beider Sondervereine hat es bis zum Zusammenschluss 1991 nicht gegeben. Auch der Austausch von Zuchttieren war durch die bestehenden politischen VerhĂ€ltnisse fast nicht möglich. So schreibt der ehemalige Zuchtwart Konrad Haslbeck in einem Artikel aus der DGZ 10/96: „...Nachdem die Grenzen geschlossen waren, war fĂŒr Interessenten aus dem Westen kein Kontakt mehr möglich. Da auch die Briefe zensiert wurden, war ein Zuchttieraustausch fast unmöglich und ein offizieller Austausch ĂŒber die Behörden war sehr zeitaufwĂ€ndig bis unendlich und sehr teuer
“

Verbunden mit der Wiedervereinigung Deutschlands wurde es sowohl fĂŒr Ostdeutsche, als auch fĂŒr westdeutsche ZĂŒchter möglich, die ZĂŒchter, Zuchten und den Zuchtstand im jeweils anderen Teil Deutschlands kennenzulernen. Die erste Zusammenkunft von ZĂŒchtern aus Ost- und Westdeutschland erfolgte bereits im Oktober 1990. Nach einer Einladung des damaligen 1. Vorsitzenden der SZG, GĂŒnter Patzer aus Vierzehnheiligen reiste eine Delegation von westdeutschen ZĂŒchtern nach ThĂŒringen. Unter ihnen natĂŒrlich auch der damalige Vorsitzende des Westdeutschen SV, Herr Johann Fanger. Bei persönlichen GesprĂ€chen zwischen den beiden 1. Vorsitzenden und den anderen ZĂŒchtern wurden bereits erste Andeutungen und VorschlĂ€ge fĂŒr die GrĂŒndung eines gesamtdeutschen Sondervereines der ThĂŒringer Kröpfer besprochen und vorbereitet. Zur Hauptsonderschau der SZG in Arnstadt am 20.1.1991 reisten wiederum Fanger und vier weitere ZĂŒchter aus den alten BundeslĂ€ndern an. Es war hier bereits schon ein Satzungsentwurf fĂŒr den kommenden Zusammenschluss vorbereitet. Dieser wurde den anwesenden Mitgliedern unterbreitet.

Die GrĂŒndungsversammlung eines gesamtdeutschen Sondervereines sollte im Raum Erfurt stattfinden. Am 6.7.1991 trafen sich dann in Witterda bei Erfurt 22 Mitglieder, sowohl von der SZG als auch vom bundesdeutschen SV. Hier fand der Zusammenschluss zum „SV der ZĂŒchter ThĂŒringer Kröpfer“ und die erste gemeinsame Jahreshauptversammlung von Ost- und WestzĂŒchtern statt. Die folgenden Jahre waren geprĂ€gt von einem AufblĂŒhen der Rasse und auch der Mitgliederanzahl im SV. Die Hauptsonderschauen und auch Jahreshauptversammlungen wurden dann im Wechsel in den ehemaligen ost- oder westdeutschen BundeslĂ€ndern durchgefĂŒhrt. Ebenso wurde in den frĂŒhen Neunziger Jahren das „ThĂŒringer-Journal“ eingefĂŒhrt. Dieses SV-Informationsheft erscheint seit damals jĂ€hrlich und enthĂ€lt viele Informationen zur Rasse, den Veranstaltungen des SV, Schauberichte und die Farbenschlagsliste mit ZĂŒchtern.

Das 50-jĂ€hrige SV-JubilĂ€um wurde 1997 mit einer JubilĂ€umsschau in Zimmern im Entstehungsgebiet der Rasse mit bis dahin noch nie dagewesenen 383 ThĂŒringer Kröpfern gebĂŒhrend begangen. Im gleichen Jahr stellte der 2004 verstorbene Ehrenvorsitzende, GĂŒnther Patzer aus Vierzehnheiligen, seine Chronik ĂŒber die Entstehung und Entwicklung des SV vor. Bisher wurde diese leider noch nicht weitergefĂŒhrt.

Im Jahr 2011 wurde der ThĂŒringer Kröpfer als Rasse des Jahres im Landesverband ThĂŒringen ausgewĂ€hlt. Der SV durfte sich hierzu mit einer sehr gelungenen Vorstellung mit Stammschau, Volieren und einem Infostand zur Landesschau auf der Messe in Erfurt prĂ€sentieren.

Heute, im 75. Jahr seines Bestehens, steht der SV nun vor den gleichen demographischen Problemen, wie viele andere RassegeflĂŒgelzuchtvereine auch. Eine langsam, aber stetig sinkende Mitgliederzahl aufgrund fehlenden ZĂŒchternachwuchses fĂŒhrt auch bei den ThĂŒringer Kröpfern zu Herausforderungen. Ob die Vielzahl von FarbenschlĂ€gen in Ihrem Zuchtstand weiter so erhalten werden können ist fragwĂŒrdig. Hier mĂŒssen zukĂŒnftig die aktiven, engagierten ZĂŒchter ein Interesse entwickeln, auch noch einen Zweit- oder Drittfarbenschlag zĂŒchterisch intensiv zu bearbeiten.

Seit einigen Jahren ist der Sonderverein auch in den „Neuen Medien“ prĂ€sent. Auf dem Internetauftritt unter der Adresse www.sv-thueringer-kroepfer.de finden sich viele interessante Berichte, Fotos von Tieren und Veranstaltungen, aktuelle Termine sowie eine aktuelle ZĂŒchterliste mit den gezĂŒchteten FarbenschlĂ€gen. Die bis heute fast 15.000 Besuche auf der Internetseite zeugen von großem Interesse vieler ZĂŒchter zu dieser ThĂŒringer Heimatrasse.

Rassemerkmale

Großer Wert sollte der Zucht und Ausstellung immer auf das Hauptrassemerkmal, die viel umstrittene stumpf endende Spitzkappe, gelegt werden. Ein rassetypischer Kopf hat eine ansteigende, nicht zu schmale Stirn und einen kopfumfassenden Kappenansatz. Kopfumfassend bedeutet, dass die Kappe die VerlĂ€ngerung des schmalen Kopfes bildet. Hat eine Kappe von vornherein am Hinterkopf nicht die gewĂŒnschte Breite, so erscheint sie federarm und zu spitz. Dies ist nicht erwĂŒnscht und wird gestraft. Ein zu breiter Kappenansatz ist ebenso unerwĂŒnscht, da die Kappe sonst wie eine Haube wirkt. Der Kappenauslauf sollte so hoch sein, dass im Seitenprofil des Kopfes ein liegendes „S“ deutlich wird. Auf einer Linie mit dem Schnabelwinkel und dem unteren Augenrand sollte die Federteilung der Kappenfedern („Knick“ oder „Kimme“ genannt) beginnen und sich nach oben verjĂŒngend, Ă€hnlich einer schmalen Teelöffelspitze, in der stumpfen Spitzkappe enden. Erfahrene ZĂŒchter meinen, in der Kappe sollte eine Erbse liegen bleiben können. Die anderen Federn der Kimme verlaufen mit den Federn des hinteren Kropfes abwĂ€rts. Ein Fehlen der Kimme gilt als grober Fehler.

Eine harte und straffe Feder ist dem ThĂŒringer Kröpfer eigen, damit seine Form und die Kappenmerkmale bestens in Erscheinung treten. Ebenso hart und straff sind seine Schwingen, die ihn so fluggewandt machen. Wellige Schwingen sollten unter „WĂŒnsche“ als Kritik auf einer Bewertungskarte erscheinen.

Ebenso rassecharakteristisch ist ein birnenförmiger Kropf, der oben seine weiteste Ausdehnung hat und sich zur Brust hin verjĂŒngt. Der Kropf sollte nicht schnĂŒren, aber auch nicht in den Bauch ĂŒbergehen – „gut abgesetzt“ ist hier die korrekte Formulierung. Die Schulterbreite sollte die seitliche Kropfbreite nicht ĂŒberragen. Eine aufrechte Haltung mit gerader RĂŒcken-Schwanz-Linie auf knapp mittelhohen StĂ€ndern sorgt dafĂŒr, dass der Schwanz nicht auf dem Boden schleift. Auch auf einen bedeckten und blassen Augenrand sollte geachtet werden.

GezĂŒchtet wird in einer Vielzahl von Farben und Zeichnungsformen, so dass sich auch der verwöhnteste Farbenliebhaber einen fĂŒr ihn zusagenden Farbenschlag aussuchen kann. Aktuell sind 30 FarbenschlĂ€ge anerkannt: Einfarbig schwarz, weiß, rot, gelb, blau mit oder ohne schwarze Binden, rotfahl, gelbfahl, blaufahl mit oder ohne schwarze Binden, blaugehĂ€mmert, blaufahlgehĂ€mmert, rotfahlgehĂ€mmert und gelbfahlgehĂ€mmert. Alle genannten Farben (außer Weiß) auch mit Mönchszeichnung. Beachtenswert ist, dass Gemönchte in blau und schwarz durchgefĂ€rbtes Gefieder, die anderen FarbenschlĂ€ge helles Gefieder in Unterbrust, Bauch, Schenkeln, UnterrĂŒcken und Schwanz zeigen. Dieses „helle“ Gefieder ist farbenschlagsabhĂ€ngig cremefarbig bis aschfahl. Weiße Federn im Keil- oder Schwanzgefieder sind bei beiden Varianten der Mönchszeichnung fehlerhaft und mĂŒssen gestraft werden. Von außen nicht sichtbares Afterweiß ist jedoch gestattet. Als weitere Scheckungsvariante werden die ThĂŒringer Kröpfer auch in den getigerten Farben Schwarz, Rot und Gelb gezĂŒchtet, wobei diese FarbenschlĂ€ge zu den absoluten Seltenheiten dieser Rasse mit einer sehr kleinen Zuchtbasis gehören. Ebenso existiert derzeit eine Zucht der nicht anerkannten FarbenschlĂ€ge blaugetigert und blaugescheckt.

Aktueller Zuchtstand

In den Rassefeinheiten werden jÀhrlich immer wieder Fortschritte gemacht und zu den Ausstellungen prÀsentiert. Jedoch sind unterschiedliche ZuchtstÀnde vorzufinden, die bei der Bewertung durch die PR Beachtung finden sollten.

Die Weißen sind unter den ZĂŒchtern immer noch am weitesten verbreitet und zeigen den höchsten Zuchtstand. Hier sind alle geforderten Kriterien an Figur, Blaswerk und Kappe am durchgĂ€ngigsten vorhanden und es gelten die höchsten AnsprĂŒche bei deren Bewertung. Auf die FederqualitĂ€t und -straffheit ist vermehrt zu achten. Haarige Federn sollten gestraft werden.

Schwarze haben einen wesentlichen Schritt nach vorn gemacht. Nicht nur zahlenmĂ€ĂŸig stĂ€rker vertreten, auch in der QualitĂ€t werden immer wieder feinste Tiere auf den großen Schauen gezeigt. Kappen sollten im Aufbau geschlossener und im Auslauf höher werden. Auf ein lackreiches Schwarz ist unbedingt Wert zu legen.

Rote und gelbe ThĂŒringer sind nur sporadisch vertreten. Hier ist auch der Zuchtstand sehr uneinheitlich. Viele ZĂŒchter haben mit blauem Anflug im Schwung- und Schwanzgefieder der Tiere Probleme. Zu Gunsten von Typ, Blaswerk und GrĂ¶ĂŸe sollte bei den gewĂŒnschten blassen AugenrĂ€ndern in gewissem Maße ZugestĂ€ndnisse bei der Bewertung gemacht werden, denn hier muss teilweise noch viel zĂŒchterische Arbeitet geleistet werden.

Bei den Blauen mit Binden und den BlaugehĂ€mmerten wurden in den letzten Jahren erhebliche Zuchtfortschritte aufgrund einer stark gestiegenen ZĂŒchterzahl gemacht. GrĂ¶ĂŸe, Blaswerk und Kappen passen grĂ¶ĂŸtenteils. Auf ein einheitliches Taubenblau ist zu achten. Klare BindenfĂŒhrung und auch eine klare HĂ€mmerung sind zĂŒchterischen Feinheiten, an denen nun gearbeitet werden muss.

Rotfahle und gelbfahle Tiere sowie deren gehĂ€mmerte Varianten werden nur gelegentlich auf großen Schauen gezeigt, denn sie zĂ€hlen zu den RaritĂ€ten, da eigentlich nur 2 Zuchten vorhanden sind. Trotzdem konnten hier in der Vergangenheit immer wieder vorzĂŒgliche Tiere in den KĂ€figen gezeigt werden – auch auf Großschauen. Auf eine weitere Reduktion des Blauanteils in der Grundfarbe ist hinzuarbeiten.

Aktuell gibt es keine aktive Zucht in den einfarbig blaufahlen Farb- und Zeichnungsvarianten.

Gemönchte ThĂŒringer Kröpfer zĂ€hlen, wie aus dem geschichtlichen Abriss hervorgeht, zu den traditionellen FarbeschlĂ€gen. Jedoch gibt es hier auch viele zĂŒchterische Herausforderungen. Große Schwierigkeiten bereitet vielen ZĂŒchtern das Afterweiß. Dessen Ausdehnung ist wohl genetisch an die Anzahl weißer Handschwingen gekoppelt. So lĂ€sst sich feststellen, dass sich das Afterweiß vergrĂ¶ĂŸert, wenn die Zahl weißer Handschwingen steigt. Da aber das Spießen bei weniger als 7 Handschwingen das grĂ¶ĂŸere Übel ist, wird Afterweiß (speziell bei Gemönchten in Schwarz und den Blauvarianten) toleriert.

Die Schwarzgemönchten sind derzeit in guter QualitĂ€t vorhanden, jedoch ist die Zuchtbasis auch hier sehr klein. Zu Verbessern sind teilweise die Kappen und Standfreiheit und auch teilweise das Wesen im AusstellungskĂ€fig. Bei den TĂ€ubinnen ist eine noch die aufrechtere Haltung und etwas mehr GrĂ¶ĂŸe anzustreben. Auf einen durchgehend besseren Kopfschnitt gilt es ebenso zu achten.

Blaugemönchte mit und ohne Binden sowie BlaugehĂ€mmertgemönchte sind nach vielen mageren Jahren immer hĂ€ufiger in grĂ¶ĂŸeren Tierzahlen und sehr guter QualitĂ€t auf den SV Schauen zu sehen, wie z.B. das VDT-Championtier in Erfurt 2016. WĂŒnsche und VorzĂŒge im Zuchtstand gleichen denen der Schwarz­ge­mönchten. In der HalslĂ€nge könnten manche Tiere noch zulegen.

Die Blaufahlgemönchten Varianten sind nur gelegentlich auf Sonderschauen zu sehen und haben noch Aufholbedarf in GrĂ¶ĂŸe Blaswerkvolumen und –form. Auf eine Brustfarbe ohne Ockerton ist grĂ¶ĂŸter Wert zu legen.

Bei Rot- und Gelbgemönchten Tieren sind die Ziele in einer sauberen Bauch- und Schenkelfarbe sowie in einer satten Grundfarbe zu sehen. Figur, GrĂ¶ĂŸe und Blaswerk sind hier in Ordnung. Der Stand muss zukĂŒnftig aber etwas freier werden. Die Anzahl der Zuchten ist stark rĂŒcklĂ€ufig, sodass wir uns im SV ernsthaft Sorgen um den Erhalt dieser beiden FarbenschlĂ€ge machen. Hier ist von nun an höchste zĂŒchterische Aufmerksamkeit gefordert.

Rotfahlgemöncht ist derzeit der zweite Hauptfarbenschlag mit sehr großer Beliebtheit und Verbreitung sowie hohem Zuchtstand. Eine intensive Kropffarbe mit nicht zu starker Rieselung im Oberkropfbereich wird gefordert. Oftmals zeigen in diesem Merkmal gute Tiere dann den Ansatz zur 3. Binde oder eine zu unreine Schildfarbe. HierfĂŒr die zĂŒchterische Balance zu finden ist die Herausforderung. Im Kappenauslauf sollten einige Tiere noch höher sein. Ein zu starker Blauton in der Grundfarbe ist ebenfalls nicht erwĂŒnscht.

Dies gilt auch insbesondere fĂŒr die Gelbfahlgemönchten, bei denen auch teilweise etwas mehr Oberkropfweite und Birnenform im Kropf vorteilhaft wĂ€re. Bei der Bewertung gilt es darauf zu achten, dass einige Farbpartien, auch bei einfarbigen Tieren, oft so hell sind, dass Weiß und Fahl kaum unterschieden werden können. Das kann zum Problem bei der Beurteilung der Bauch- und Schwanzfarbe oder auch Handschwingenfarbe fĂŒhren. Hier ist FingerspitzengefĂŒhl gefordert.

Rot- und GelbfahlgehĂ€mmertgemönchte stehen den bindigen Varianten in GrĂ¶ĂŸe, Proportion, Blaswerk und Kappe nicht nach. Auf eine klare HĂ€mmerungszeichnung wird Wert gelegt.

Bei den 3 Getigerten FarbenschlĂ€gen sind eigentlich nur die Schwarzen prĂ€sent, aber Ă€ußerst selten. Eine möglichst gleichmĂ€ĂŸige Verteilung der Tigerung bei durchgefĂ€rbtem Schwanz- und Handschwingengefieder wird angestrebt.

Der heutige ThĂŒringer Kröpfer ist eine robuste, fluggewandte und lebhafte Taube. Bei sachgemĂ€ĂŸer Haltung und FĂŒtterung sind die Tiere sehr zuchtfreudig. Das eigenstĂ€ndige FĂŒttern und Hudern der Jungtiere war und ist eine SelbstverstĂ€ndlichkeit. Ammen zur eigenen Reproduktion? So etwas braucht der ThĂŒringer Kröpfer nicht und das wird auch so bleiben, wenn keine ĂŒbertriebenen Forderungen an das Blaswerkvolumen gestellt werden. 6-8 Jungtiere pro Zuchtpaar sind die Regel.

Durch seine AnpassungsfĂ€higkeit eignet sich dieser Kröpfer sowohl fĂŒr die Volierenhaltung, als auch fĂŒr den Freiflug, wo die Tauben unter Anleitung von Brieftauben sogar feldern. Seine Problemlosigkeit in Zucht und Haltung machen diesen eleganten und außergewöhnlichen Kröpfer insbesondere fĂŒr jugendliche ZĂŒchter, aber auch zĂŒchterische Neueinsteiger interessant.

Als ein forscher, fröhlicher, bodenstĂ€ndiger und mit guten zĂŒchterischen Eigenarten versehener Bursche hat der ThĂŒringer Kröpfer auch ĂŒber die Grenzen Deutschlands hinaus neue begeisterte Liebhaber gewonnen. Durch seine Entstehungsgeschichte und die stĂ€ndige PrĂ€senz auf den thĂŒringer Bauernhöfen und TaubenschlĂ€gen ist diese alte ThĂŒringer Heimatrasse ein StĂŒck Kulturgut geworden.

Hendrik FĂ€rber