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Nilgans und Schwarzkopfruderente

Zuchtverbot f├╝r invasive Arten

Seit 2016 gibt es die EU-weite Verordnung f├╝r invasive, gebietsfremde Arten von unionsweiter Bedeutung (Nr. 1143/2014) auf der seit 2016 die Schwarzkopfruderente (Oxyura jamaicensis) und seit 2017 die Nilgans (Alopochen aegyptiaca) gelistet sind. Demnach sind f├╝r beide Arten sowohl die Einfuhr, Haltung und Zucht, der Transport, Erwerb und die Freisetzung strikt untersagt.

Tiere, die vor diesem Zeitpunkt geboren wurden, d├╝rfen zwar in den Haltungen verbleiben, jedoch sind eine Nachzucht und mit dem Transportverbot auch das Ausstellen untersagt. Aus diesem Grund werden beide Arten in der im 1. Halbjahr 2023 neu erscheinenden Bewertungsgrundlage f├╝r das Ziergefl├╝gel und in der Zuchttier-Bestandserfassung des BDRG nicht mehr ber├╝cksichtigt.

Zu den Hintergr├╝nden:

Die Population der Nilg├Ąnse hat sich aus wenigen Gefangenschaftsfl├╝chtlingen in den Niederlanden in den letzten Jahren auch in Deutschland massiv vergr├Â├čert. Ihr Bestand ist hierzulande auf mehrere tausend Brutpaare (Sch├Ątzungen > 10.000) angewachsen, allein in NRW belaufen sich die Zahlen auf 3.300 Paare. Das w├Ąre an sich kein Problem, doch die G├Ąnse zeigen w├Ąhrend der Brutzeit und Jungenaufzucht ein ausgesprochen aggressives Verhalten gegen├╝ber anderen Wasserv├Âgeln. Besonders leiden darunter die heimischen Enten-, G├Ąnse- und Rallenarten. Nilg├Ąnse besetzen dar├╝ber hinaus auch Nester anderer Vogelarten, wie Wei├čstorch, Wanderfalke oder Schleiereule, und verdr├Ąngen damit einheimische Arten. Nach deutschem Jagdrecht ist deshalb das Erlegen von Nilg├Ąnsen mittlerweile in neun Bundesl├Ąndern gestattet, um der wachsenden Verbreitung entgegenzutreten.

Die Verbreitung der Schwarzkopfruderente erfolgte ebenfalls durch Gefangenschaftsfl├╝chtlinge von Gro├čbritannien aus. Bis zum Jahr 2000 hatte sich die wildlebende Population dort auf etwa 5000 Tiere vergr├Â├čert. Erste Beobachtungen von freilebenden Schwarzkopfruderenten in Deutschland stammen aus dem Jahr 1980. Seitdem br├╝tet sie v.a. in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. F├╝r die heimische Fauna bereiten sie weniger Probleme, doch ihre Ausbreitung und die Winterz├╝ge Richtung S├╝deuropa stellen eine gro├če Bedrohung f├╝r die dort heimische Wei├čkopfruderente dar. Nahrungs- und Nistplatzkonkurrenz sowie eine zunehmende Hybridisierung zwischen beiden Arten verdr├Ąngen dort die heimische Art. Zum Schutz der Wei├čkopfruderente werden daher in Portugal, Spanien, Frankreich und Gro├čbritannien Ma├čnahmen zur Bestandsregulierung bzw. -eliminierung wildlebender Schwarzkopfruderenten durchgef├╝hrt.

Andr├ę Mi├čbach

1. Vorsitzender VZI